Ich teste die Apple Watch 2
Mein neuer Lauf-Buddy: Die Apple Watch 2, entwickelt von Apple und Nike

Laufen mit der Apple Watch Nike+: Die Befreiung vom Smartphone?

Apple Watch Nike+ im Test
Laufen wir heute? Die neue Apple Watch Nike+ ist immer bereit.

Zugegeben, anfangs fühlt es sich noch etwas merkwürdig an - joggen gehen und das iPhone zuhause lassen. Ist auch kein Wunder, schließlich war das Handy jahrelang mein treuester Lauf-Buddy. Eventuell sind diese Zeiten bald vorbei, denn jetzt teste ich die neue Apple Watch Nike+, die mit einem GPS ausgestattet ist und beim Joggen die gelaufene Distanz, die Geschwindigkeit und meine Route aufzeichnet - "auch wenn du dein iPhone nicht dabei hast", heißt es in der Produktbeschreibung auf der Apple-Webseite. Ich bin gespannt.

 

Apple hat das Gerät in Kooperation mit den Running-Experten von Nike geplant, deshalb erhoffe ich mir eine Smartwatch, die nicht nur schick aussieht, sondern auch auf meine Bedürfnisse als Sportler zugeschnitten ist. Und ganz ehrlich: Ich brauche nicht viel, um glücklich zu sein. Mir persönlich ist besonders wichtig, dass das Gerät die gelaufene Distanz aufzeichnet, weil ich gerne neue Strecken ausprobiere und wissen möchte, wie viele Kilometer ich gemacht habe. Für den Test hat Apple mir die Watch mit 42-mm-Display, silbernem Aluminiumgehäuse und Nike-Sportarmband in der Farbkombi 'Flat Silver/Volt' zur Verfügung gestellt (Volt steht offenbar für Neongelb - insgesamt gibt es Modelle in vier verschiedenen Looks). Neongelb und Silber wäre nicht meine erste Wahl gewesen, aber die Uhr gefällt mir optisch trotzdem sehr gut. Sie macht von der Haptik und Verarbeitung auch einen sehr hochwertigen Eindruck, typisch Apple/Nike (im Store kostet das Modell aktuell 449 Euro). Die Einrichtung der Uhr klappt problemlos, die Software für den Benutzer durch die verschiedenen notwendigen Schritte. Allerdings hatte ich eine gewisse Erfahrung, weil ich auch die erste Generation der Apple Watch nutze.   

Apple Watch 2 und Apple Watch 1 im Vergleich
Links die neue Apple Watch 2, rechts die erste Generation - mit etwas schmalerem Gehäuse.

Wie gut ist die Apple Watch 2 für Jogger?

Auch die 'Nike+ Run Club'-App nutze ich schon länger. Die Apple Watch 2 ist mit der Läufer-App verdrahtet. Im Display leuchtet eine Nike-Symbol und es sind nur wenige Klicks auf dem Startbildschirm nötig, um einen Lauf zu beginnen. Ich mag die App - nicht nur, weil sie so simpel zu bedienen ist. Am besten gefällt mir der integrierte Coach, der für jedes Läufer-Ziel den passenden Trainingsplan bereitstellt (von "ich möchte endlich mal 5 Kilometer am Stück laufen" bis zum Marathon unter 3 Stunden). Als Sportwissenschaftler kann ich sagen: Die Workouts sind optimal abgestimmt und nach den neuesten Erkenntnissen aufgebaut. Wirklich top. Kurz bevor die Uhr ankam, habe ich schnell mein Profil auf Stand gebracht und mir von der Smartphone-App einen neuen Trainingsplan erstellen lassen - in der Hoffnung, dass der Plan nach der Einrichtung der Apple Watch 2 auch auf der Watch hinterlegt ist. Das ist jedoch leider nicht der Fall.

 

"Laufen wir heute?" steht ständig im Startbildschirm der Uhr. Und jedes Mal, wenn ich die Frage aufleuchten sehe, denke ich: "Sag du's mir doch!" Schließlich ist die Apple Watch 2 eine - nicht gerade billige - SMARTwatch mit Nike+-Integration. Von einem Gerät dieser Qualität erwarte ich eigentlich, dass es eine Verknüpfung zwischen App, Kalender und Uhr gibt, so dass die Uhr mich im Display an meine nächste Trainingseinheit erinnert (etwa so: "Heute steht ein 8-Kilometer-Lauf an"). Die Frage "Laufen wir heute?" wirkt dagegen etwas beliebig, finde ich.

 

Klar, die Uhr soll mich zum Laufen motivieren. Und das tut sie auch. "Dann stelle ich die aktuelle Trainingseinheit eben von Hand ein", denke ich noch, als ich draußen vor der Tür stehe. Irgendwann wird es dafür schon eine Lösung geben. Nike verspricht jedenfalls, dass es bald eine Verknüpfung geben soll: "Bisher kann man den Laufcoach nicht integrieren, das ist aber auf jeden Fall in der Planung", hieß es auf Nachfrage.

 

Weiter im Text! Dank der simplen Menüführung dauert das Einstellen des Laufplans ohnehin nur 30 Sekunden. Dauer des Laufs oder anvisierte Kilometerzahl angeben, bestätigen, los geht's! Und das merkwürdige Gefühl ohne Smartphone los zu joggen, verfliegt schon mit den ersten Schritten. Beim Laufen funktioniert alles perfekt - keine Wartezeit auf das GPS-Signal, keine Abstürze, keine anderen Zicken. Einheit beendet? Dann gibt es noch ein lockeres "Gut gemacht!" von der Watch und die gelaufene Strecke als Grafik samt Trainingsdaten wie Tempo und Herzfrequenz. Die Streckengrafik ist allerdings ausbaufähig: der Laufweg wird ohne untergelegte Karte angezeigt - zu sehen ist ein krakeliges etwas, in der Smartphone-App wird der Lauf eleganter dargestellt (siehe unten, und nicht wundern: als erste Trainingseinheit stand ein sehr kurzer Lauf von 15 Minuten an). Für die Trainingsdokumentation wäre meiner Meinung nach eine klassische Karte besser und sinnvoller.        

Mein Fazit zur Apple Watch Nike+

Das Gerät hat mich im Praxis-Test überzeugt. Meine Ansprüche als Freizeitläufer hat sie jedenfalls erfüllt - bis auf die Trainingsplan-Einbindung. Ich hoffe weiterhin, dass ich beim Joggen bald komplett auf das Smartphone verzichten kann, weil ich zu meinem Glück nur noch eine Smartwatch brauche (ein integrierter Musikplayer samt Bluetooth-Verknüpfung für kabellose in-ear-Kopfhörer wäre noch toll). Dafür ist Apple mit der Nike+-Watch ein großer Schritt in die richtige Richtung gelungen.

Die wichtigsten Pluspunkte im Überblick:

  • Top Akku-Laufzeit. Mein Testgerät überstand mit einer Akkuladung locker zweieinhalb Tage. Daumen hoch dafür! Zum Vergleich: Die erste Apple-Watch-Generation muss ich jeden Abend neu laden (das dauert aber auch nur knapp 2 Stunden).
  • Tolle Hardware. Die Apple Watch ist ein Premiumprodukt, das sieht man nicht nur an der Verarbeitung und am Design (ein Hingucker, auch im Fitnessstudio), man spürt es auch am Handgelenk. Die Uhr wirkt absolut hochwertig - und sie ist noch dazu wasserfest. 
  • Zuverlässigkeit der Technik. Ich hatte schon mehrere GPS-Uhren und Smartwatches, die mich kurz vor dem Lauf bitter im Stich gelassen haben - sei es, weil sie im Wald kein GPS-Signal bekommen haben oder weil sie von anderen Geräten in der Umgebung gestört wurden (Stichwort Bluetooth und/oder Herzfrequenzmessung per Brustgurt). Die Apple Watch Nike+ funktionierte in meinem Test dagegen einwandfrei, auch die Herzfrequenzmessung ohne Brustgurt scheint korrekte Ergebnisse zu bringen, wie die Stiftung Warentest neulich bestätigte. 

Minuspunkte im Überblick:

  • Der Preis: Die günstigste Apple Watch Nike+ ist ab 419 Euro zu haben. Meiner Meinung nach wäre ein Einstiegspreis von 319 Euro auch in Ordnung. Es gibt mehrere Sportuhren mit vergleichbaren Funktionen, die günstiger sind.
  • Die offenbar fehlende Schnittstelle zwischen App-Coach und Apple Watch. Wie gesagt: Ich würde mich freuen, wenn die Uhr meine nächsten Einheiten anzeigt und nicht nur den letzten Lauf. Ist einfach komfortabler, vor allem bei langfristigen Trainingsprojekten wie einer Marathonvorbereitung. Vielleicht gibt es für das Problem ja bald eine Lösung (in dem Fall folgt natürlich noch ein Update).